Katzen verstehen

Autorin: Martina Braun 

Letzte Woche erhielt ich einen Anruf von einem Herrn aus Dresden, der folgende Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterließ: „Ich habe Ihr Buch gelesen und es gefällt mir sehr. Ich hoffe, Sie rufen mich zurück, denn ich möchte Ihnen von meinem wirklich außergewöhnlichen Kater erzählen.“ Ich sah auf dem Display, dass der Herr mehrmals probiert hatte, mich zu erreichen. Natürlich rief ich ihn zurück, wenn es für ihn so dringlich war! Ein außergewöhnlicher Kater… Ich lächelte schon vor dem Telefongespräch, denn gibt es denn „gewöhnliche“ Kater?

Herr G. erzählte mir von seinem Gipsy, einem gestandenen, wunderschönen, unkastrierten Kater und von ihrem Zusammenleben. Gipsy ist der ungekrönte König des kleinen Ortes, in dem die zwei leben. Er hat schon viele Welpen mit den schönsten ansässigen Kätzinnen gezeugt. Je nach Jahreszeit ist Gipsy ganz schön im Stress, rivalisierende Kater von „seinen Weibchen-Revieren“ und dem hauseigenen Biotop fernzuhalten. Dann hat er wenig Zeit für seinen Menschen. Er kommt zum Fressen, vielleicht für ein kleines Nickerchen. Dann zieht er wieder los. Gipsy hat auch keine Hemmungen, seine Maitressen mit nach Hause zu bringen und den Deckakt unter dem gedeckten Tisch und vor Gästen zu vollziehen.

In Zeiten, in denen es Gipsy gemütlicher angehen lässt, geht er mit Herrn G. spazieren. Einmal kam ihnen ein frei laufender Schäferhund in einem rasanten Tempo entgegen. Gipsy – als gestandener Freilaufkater mit allen Wassern gewaschen – blieb einfach stur stehen und wich keinen Millimeter. Der Schäferhund kam schnell näher, bremste völlig irritiert in letzter Sekunde ab und lief, wohlweislich den Augenkontakt mit Gipsy meidend, vorbei. Herr G. hatte die Szene mit bangem Herz beobachtet. Aufatmend bückte er sich, streichelte seinen Gipsy und lobte ihn: „Junge, das hast du aber gut gemacht!“ Und was tat Gipsy? Er schaute vorwurfsvoll, miaute Herrn G. so etwas zu wie: „Du Verräter! Auf dich ist kein Verlass“ und verschwand im Gebüsch.

Herrn G. beschäftigte ausserdem die Frage, ob Katzen „weinen“ können und berichtete in diesem Zusammenhang, dass er Gipsy einmal für ein paar Tage in eine Tierpension hatte geben müssen. Als er ihn abholte „weinte Gipsy“, so Herr G. „Sein Miauen war kläglich und schrecklich traurig. Und ob Sie es glauben oder nicht, ihm liefen Tränen aus den Augen!

Das tue ich Gipsy nie mehr an“ beteuerte Herr G. Selbstverständlich kennen Katzen alle Emotionen, die wir Menschen auch kennen, von Glück, Zuneigung, Trauer und Wut. Für die Tränen hätte es Erklärungen gegeben wie zum Beispiel eine leichte Augenentzündung, Zugluft und dergleichen. Aber spielte das hier und jetzt wirklich eine Rolle? Tatsache ist: Herr G. hatte verstanden, dass Gipsy sich in der Tierpension (möge sie noch so gut sein!) nicht wohl gefühlt hatte und daraus seine Schlüsse gezogen.

Eines Tages machte Herr G. bei seinem Kater eine merkwürdige Entdeckung. Gipsy war müde und gähnte mit weit aufgerissenem Mäulchen, während sein Herrchen sich zu ihm auf den Boden legte, um ihn zu streicheln. Da sah Herr G. ganz weit hinten im Rachen ein „grün-blaues Licht“. Er beteuerte, dass er das Licht noch einige andere Male gesehen habe und wollte nun von mir wissen, was das wohl sei. Sein Tierarzt hatte keine Erklärung und er selbst dachte zunächst an die Drachen aus alten Fabeln?!  Wenn Sie nun denken, ich hätte dem netten, älteren Herrn sagen müssen, dass er nicht ganz tickt…dann muss ich Sie enttäuschen. Ich habe keine Ahnung, was er da gesehen hat, aber ich fragte ihn, ob er denkt, dass das das Lebenslicht, die leuchtende Seele von Gipsy sein könne. Und dieser Gedanke gefiel Herrn G. sehr gut.

Glauben Sie mir – nach über 10 Jahren Praxis kann ich Ihnen verraten: Nichts, wirklich nichts ist bei Katzen unmöglich! Vielleicht denken Sie auch, dass ich dem Herrn unbedingt zu einer Kastration hätte raten müssen, denn es ist wirklich fahrlässig, Katzen sich unkontrolliert vermehren zu lassen! Vielleicht denken Sie, ich hätte ihm erklären müssen, dass das alles keine adäquate Tierhaltung ist. Kann sein.

Sie haben mit Sicherheit Recht! Aber wissen Sie was? Die zwei, Herr G. und Gipsy, sie sind glücklich miteinander. Ihre beiden Leben stimmen, jedes für sich, miteinander und mit der Dorfgemeinschaft. Dieser Herr hat die Nerven, den Grossmut und das Vertrauen, Gipsy all diese Freiheiten einzugestehen. Ich selbst würde vor Angst um meine Katzen tausend Tode sterben und ich bin dankbar, dass keins meiner Tiere solch grossen Freiheitsdrang verspürt!



Gipsy hat einen menschlichen Gefährten gefunden, der ihn einfach akzptiert, wie er ist, der ihn nicht zum zahmen Stubentiger machen will, der sich nicht vor den Kopf gestossen fühlt, wenn Gipsy nach einem Streicheln „zuviel“ auch mal kraftvoll in die liebevolle Hand beisst. Die ungeplanten Ableger Gipsy’s werden eingesammelt, geimpft und platziert. Allfällige Kampfspuren werden tierärztlich versorgt. Wozu soll ich also solch eine Harmonie schlecht reden und Ratschläge geben, die für 100 Kater stimmen mögen, nicht aber für dieses spezielle Gespann? Ich weiss, dass viele Tierschützer diese Meinung ungeheuerlich finden werden. Grundsätzlich ist das Recht auf ihrer Seite. Aber … wäre Gipsy wohl glücklicher auf einem „gesicherten Balkon“?

In all den Jahren habe ich eins verinnerlicht: es gibt nicht „die Methode, Katzen zu halten“. Es gibt allgemeine Tipps, Richtlinien, Fürsorgeverpflichtungen. Und doch – keine Katze ist wie die andere. Und somit kann Katzenhaltung niemals gleich Katzenhaltung sein. Es gibt keine glücklichere Fügung als die, dass ein Mensch seine Katze einfach so nehmen und lieben kann, wie sie ist. Es gibt nichts Grossherzigeres, als Menschen, die ihre Katze einfach verstehen und sich in sie einzufühlen vermögen. Sie alle, die Sie der liebende Dosenöffner einer Katze sind - mag es ein Stubentiger oder ein Freilaufpanther sein - haben mit hundertprozentiger Sicherheit „die einzigartige Katze“. Ich glaube es Ihnen aufs Wort!

Am Ende des Gespräches wurde Herrn G’s Stimme sehr leise und er fragte: „Denken Sie, eines Tages wird er nicht mehr nach Hause kommen, mein Gipsy?“ „Ja“, antwortete ich, „das denke ich. Gipsy führt das Leben eines Abenteurers. Und so wird er auch eines Tages sterben“. „Das stimmt“, sagte Herr G. „eines Tages stirbt er einen Heldentod“. Ja, das wird er wohl. Nach einem reichen, sehr reichen Leben.

 

Literaturempfehlungen:

Kätzisch für Nichtkatzen
So verstehen Sie Ihre Samtpfote

Katzen können miauen, fauchen und schnurren - na klar! Doch das ist längst nicht alles, was eine Katze an Lauten zu bieten hat: Wissen Sie zum Beispiel, wie es klingt, wenn eine Katze gurrt oder murmelt, plaudert oder schnattert oder den Mäuseruf hören lässt? Und vor allem: was all diese Laute bedeuten?

Martina Braun geht den vielfältigen Kommunikationsmitteln unseres beliebtesten Haustiers auf den Grund und beschäftigt sich dabei natürlich auch mit Mimik und Gestik, Körperhaltung und besonderen Verhaltensweisen. Wer mehr über die Sprache „Kätzisch“ erfährt, kann seinen eigenen Stubentiger besser verstehen, typische Probleme wie Stubenunreinheit oder Zerkratzen der Möbel lösen und die Beziehung zwischen Mensch und Katze noch schöner gestalten.

Der rote Kater „Sala“ führt wie ein „roter Faden“ durch das Buch und fügt immer wieder auflockernde Kommentare ein, die das Thema wirklich aus der Sicht der Katze präsentieren.

Das Buch ist im Cadmos Verlag erschienen.

Es kostet Euro 10,95. ISBN 978-3-86127-130-7.



Katzenernährung

Autorin: Nadine Leiendecker
 

Katzenernährung mal anders
Heutzutage machen sich immer mehr Menschen Gedanken darüber, wie sie sich ernähren. Sie versuchen vermehrt gesunde Nahrungsmittel zu nutzen und somit ein vitaleres und gesünderes Leben zu führen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich auch immer mehr Menschen um die Ernährung ihrer geliebten Stubentiger sorgen. Denn mal ehrlich: Wer weiß denn wirklich, was alles in dem industriell hergestellten Dosenfutter und auch Trockenfutter enthalten ist oder welche Qualität die Zutaten haben?

Wer sich mit der Katzenernährung beschäftigt, kommt zwangsläufig irgendwann auf den Begriff „BARF". BARF ist eine Abkürzung, die aus dem amerikanischen Sprachgebrauch stammt und für „Bones and Raw Food“ steht. Auf Deutsch wird es gern mit „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ oder „Biologisch Artgerechtes Roh-Futter“ übersetzt. Aber was versteht man genau darunter und wieso sollte diese Art, sein Tier zu füttern, besser und gesünder sein?
 

Der Natur abgeschaut
BARF ist die Idee der natürlichen Ernährung von Katzen, aber auch anderer so genannter Carnivoren (lateinisch für „Fleischfresser“), wie etwa Hunden oder Frettchen, mit einem in der Regel selbst zubereiteten Futter aus frischen und rohen Zutaten. Das grundlegende Ziel besteht darin, die Ernährung unserer Hauskatzen der ihrer wilden Vorfahren beziehungsweise Zeitgenossen möglichst naturnah nachzugestalten und dabei auf die grundlegenden Nahrungsbedürfnisse der Katze einzugehen. BARFen bedeutet keinesfalls, unserem Vierbeiner ausschließlich rohes Fleisch zu füttern.

Fleisch macht zwar die Hauptkomponente dieser speziellen Fütterung aus; andere Bestandteile einer naturnahen Ernährung dürfen jedoch keinesfalls vernachlässigt werden oder gar fehlen. Dennoch ist BARFen keine hoch komplizierte Wissenschaft, die ein Studium der Veterinärmedizin, Zoologie oder Biologie voraussetzt. Solange man mit gesundem Menschenverstand und Logik an die Sache herangeht und ein paar grundlegende Regeln befolgt, kann man eigentlich nichts falsch machen. Auch an der menschlichen Ernährungsphysiologie kann man sich in grundlegenden Prinzipien gut orientieren, zum Beispiel was die Abwechslung der Nahrung angeht.
 

Rohfütterung – warum?
Wem das Thema „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ noch nicht vertraut ist, stellt sich anfangs zwangsläufig einige Fragen:

  • Ist es wirklich notwendig, mehr Zeit in die Zubereitung des Futters zu investieren?
  • Warum muss man mit rohem Fleisch hantieren?
  • Muss man Pülverchen kaufen, abwiegen und unter das Futter mischen?
  • Warum muss man alles selbst berechnen?



Hier ein paar gute Gründe, warum man mit dem BARFen beginnen sollte:

  • BARFen fördert die Gesundheit der Zähne, beugt Zahnstein vor beziehungsweise hilft, diesen zu vermeiden.
     
  • Katzen sind Raubtiere und somit Fleischfresser! Sie würden sich in der Natur niemals über ein Müsli vom Getreidefeld hermachen.
     
  • BARFen ist gut für Gelenke und Knochen, lässt das Fell glänzen und sorgt insgesamt für ein langes, gesundes Leben.
     
  • Nervenzellen und Muskelzellen werden optimal mit Nährstoffen versorgt und arbeiten deshalb besser.
     
  • Die Futterration enthält keine ungewollten oder auf Dauer ungesunden Kräutermischungen.
     
  • Als Tierhalter kennt man jeden Bestandteil des Futters und kann nachvollziehen, was man der Katze eigentlich zu fressen gibt.
     
  • Auf die Qualität und Frische der verschiedenen Zutaten hat man selbst Einfluss.
     
  • Industriell hergestelltes Futter beinhaltet oft Zusatzstoffe, welche Allergien, Durchfall und ähnliche Reaktionen auslösen können. Dies kann durch BARF vermieden oder eingedämmt werden.
     
  • Von der Futtermittelindustrie durchgeführte Tierversuche für Katzenfutter werden nicht unterstützt, und genmanipulierte Inhaltsstoffe können gemieden werden.

„Das BARFen“ gibt es nicht! Innerhalb dieser Fütterungsphilosophie gibt es die verschiedensten Methoden, seine Katze artgerecht, gesund und ausgewogen zu ernähren. BARFen mit Knochen ist genauso richtig wie BARFen ohne Knochen. Barfen mit Getreide ist ebenso gut wie BARFen ohne Getreide. Und es gibt noch einige Methoden mehr. Dabei kann keine dieser Praktiken die alleinige Wahrheit für sich beanspruchen. Vielmehr bestimmt die Kombination aus Besitzer und Katze die (für diese Zusammensetzung) richtige BARFmethode. Schließlich soll es Ihrer Katze ja auch schmecken und nicht einfach „nur“ gesund sein.
 
Ihre Aufgabe als Katzenbesitzer ist es, die für Ihre Katze und sich selbst passende BARFmethode herauszufinden, zu erlernen und anzuwenden. Hierzu müssen Sie sich auf eine kurze Zeit voller Futterexperimente mit Ihrer Katze einstellen. Ich nenne sie gern die „Tierversuchszeit“. Lohn dieser Arbeit ist eine gesunde, glückliche und zufriedene Katze. Sie werden den Unterschied sehen und fühlen.

 

Literaturempfehlung:

B.A.R.F. für Katzen
Die Alternative zur Maus

Biologisch artgerechtes rohes Futter kurz B.A.R.F. ist die gesunde Alternative zu Dosen- und Trockenfutter in der Katzenernährung. Mit wenig Aufwand und etwas Grundlagenwissen lässt sich eine natürliche und ausgewogene Nahrung für Katzen zubereiten, die es sonst wohl nur in der freien Natur in Form von Beutetieren wie der Maus gibt.

Die Autorin hat in diesem Buch alles Wissenswerte zum Thema Barfen zusammenge stellt: von den Zutaten über die Berechnung der Futtermenge bis hin zur Zusammensetzung und Zubereitung der täglichen Mahlzeiten. Sie räumt mit einigen Gerüchten der heutigen Katzenernährung mit industriell hergestelltem Futter auf und gibt Tipps und Tricks für die Umstellungsphase in der Fütterung.

Das Buch ist im Cadmos Verlag erschienen.

Es kostet Euro 10,95. ISBN 978-3-8404-4001-4.